„Diskret am Wald“ – so wurde in einer Festschrift des Männerchores Ober-Roden von 1979 für dieses Bordell in Babenhausen geworben. Als „Nightclub -Cabaret D’Amour“ wurde es angepriesen und zwar „Für SIE – für IHN – für PAARE“. Es gab laut Anzeige täglich Stripteaseprogramm, Sauna, Schwimmbad und Solarium sowie Hostessen. Verkehrszeit war bis 3 Uhr früh.
Was man wissen muss zu Babenhausen – dort war eine große US-Kaserne. Es dürfte also reger Betrieb dort geherrscht haben im „D’Amour“. Der Club war so illuster, dass er es 1976 sogar in eine „Spiegel“-Reportage geschafft hat mit dem Titel „Das geht so gehoben zu“. Im „Spiegel“ hieß es:
„Am Ortsrand von Babenhausen, 25 Kilometer südöstlich von Frankfurt, betreibt der Sex-Gastronom Wolfgang Sehr einen ganzen Komplex moderner Land-Refugien. Auf der täglichen Vergnügungsseite der »Abendpost/Nachtausgabe« ist er gleich viermal vertreten: Wand an Wand mit dem Nightclub »Broadway-Bar« steht das Hotel »Je t'aime« ("14 charmante Hostessen, Kontaktbar, Hotel rund um die Uhr"), unmittelbar neben dem »Schwimmbad-Sauna-Club d'Amour« leuchtet aus dem Wald an der Straße nach Aschaffenburg die blaue Neonschrift des »Nightclub d'Amour« ("Hotel, Restaurant, internationales Film- sowie abendfüllendes Sex-Life-Programm").
Sehrs Häuser heißen sogar anwärmwillige Pärchen willkommen und haben damit offenbar eine Marktlücke erschlossen. Wolfgang Sehr: »Das hat es früher nicht gegeben, und das ist auch heute noch der größte Fehler der meisten Barbesitzer -- bei ihnen sind Frauen als Gäste verpönt, und dann wundern sie sich über schlechte Geschäfte. Ich habe meinen Leuten eingeimpft« daß sie zu den Damen in Herrenbegleitung ganz besonders freundlich sind.«“
1976 war das Vernügungshaus „D'Amour“ eröffnet worden. Offiziell durfte es aber nicht betrieben werden, der damalige Besitzer Wolfgang Sehr nannte es deshalb ganz einfach „Hotel“. Vor dem Gebäude war zudem ein Kinderspielplatz gebaut worden mit Eisenbahn, kleinen Tiere und vielem mehr. Der Club hatte mehrere Etagen, im unteren Teil befand sich sogar ein kleines Schwimmbad, Whirlpool, Sauna sogar ein Weinkeller. Highlight im Erdgeschoss war der Bar-Bereich, der vor allem mit rotem Samt ausgekleidet war. In der oberen Etage waren die „Privat“-Zimmer. 1990 flogen die illegalen Tätigkeit auf, weil es ein Feuer dort gab. Sehr wanderte für sieben Jahre in den Knast. Das Gebäude steht seitdem leer und verfällt zusehends.
Als die Handballer der SG Rot-Weiss Babenhausen 2024 ihr 50jähriges Vereinsjubiläum feierten, erzählten sie der „Offenbach Post“ von den Anfängen des Vereins:
„Wir haben damals lange überlegt, ob wir die 1 000 Mark, die uns Wolfgang Sehr gespendet hat, annehmen können“, erinnert sich Jochen Pastor, Mitgliedsnummer 4 der SG Rot-Weiss (offizielle Schreibweise), an die Anfänge des Vereins. Lautes Lachen ertönte in der neuen Mensa der Joachim-Schumann-Schule. Denn die älteren Babenhäuser erinnern sich gut, womit Wolfgang Sehr sein Geld in Babenhausen verdient hat: Mit diversen Lokalitäten im Rotlichtmilieu. „Natürlich haben wir das Geld genommen“, sagte Pastor trocken, der auf der Bühne einige Anekdoten zur großen Jubiläumsfeier am Sonntag beisteuerte. Und während Wolfgang Sehr am Anfang der einzige Förderer war, kann sich der Verein inzwischen auf 40 Kooperationspartner verlassen. Nur ein Detail, das sich in 50 Jahren Vereinsgeschichte geändert hat.“



